Erotik fürs Ego

Ein Artikel von Susanne Krause, SZ-Jugendseite
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Nathalie (alle Namen von der Redaktion geändert) wirft mit nacktem Oberkörper Federn in die Luft. Ein Mausklick weiter: Sie streicht sich mit einer Rose über das Dekolleté. "Für mich ist es eine Art von Bestätigung, wenn ich mich so fotografieren lasse und andere Menschen es schön finden", sagt die 20-Jährige aus dem Landkreis Ebersberg über ihre Facebook-Bildergalerie.
Man kann noch ein paar Mal klicken, um Nathalie zu sehen: mal nur mit einer Halskette bekleidet, mal in Spitzenkorsage. Ebenfalls nur einen Mausklick entfernt: ihr ganzer Name und ihre Adresse. Wer Mitglied im Netzwerk Germany war - und das sind immerhin mehrere hunderttausend -, konnte sich Nathalie mehrere Monate lang nackt ansehen.
Nathalie ist nicht alleine. Wohin man auch blickt: So wenig wie möglich, das ist der einzige Modetrend, der sich seit Jahren hält. Dass nackte Haut sich gut verkauft, wird kaum jemand bezweifeln. Was allerdings auffällt: Es gibt erstaunlich viele Jugendliche, die sich entblättern, ohne einen Cent daran zu verdienen - unter anderem vor Menschen wie Stefan.
Der 21-Jährige aus dem Münchner Westen ist Fotograf. Vor einem Jahr bat eine Freundin den Hobby-Fotografen um einen Gefallen. Ihr Freund war kurz davor, ein Jahr nach Amerika zu gehen; als Erinnerung an sich und ihren Körper wollte sie ihm erotische Bilder schenken.
Der junge Fotograf willigte ein, es folgten drei weitere Shootings mit Mädchen aus dem Bekanntenkreis. Er verlangt kein festes Honorar, bittet seine Kundinnen lediglich um "so viel, wie sie geben können". Waren die ersten Aktfotos noch ein "Experiment" und eine Möglichkeit, sich "fotografisch weiterzuentwickeln", merkte Stefan bald, dass ihn diese Art von Shootings künstlerisch eigentlich nicht interessiert. Was blieb, war eine Dienstleistung.
Miss Moped
Stefan hat nie Werbung gemacht. Alle Shootings sind durch Mundpropaganda zustande gekommen. Vertrauen erweckt der junge Mann wahrscheinlich gerade, weil er nicht wie jemand wirkt, der in seiner Freizeit nackte Mädchen ablichtet. Freundlich und etwas unscheinbar ist er, hin und wieder zitiert er Lebensweisheiten seiner Mutter. Die eigene Freundin hat er noch nie nackt fotografiert - und möchte auch keine Aktaufnahmen von ihr geschenkt bekommen.
Seine Modelle fotografiert Stefan in ihrem alltäglichen Umfeld: Sie, in Unterwäsche, mit einer Teetasse am Fenster. Die Bilder stellen nie Situationen dar, in denen es völlig abwegig wäre, leicht bekleidet oder nackt zu sein. Die meisten Akte findet der 21-Jährige "furchtbar vulgär".
Bis jetzt waren die Fotos immer als Überraschung für die Freunde der Mädchen bestimmt. Stefan betont, er sei unschuldig daran, dass die Beziehungen in drei von vier Fällen inzwischen gescheitert sind. Fakt ist dennoch: Nicht jeder Partner war begeistert, dass ein anderer Mann Nacktfotos der Freundin gemacht hat. Dabei hat Stefan gerade eines bei den Foto-Shootings überrascht: Für ihn ist dabei nichts Sexuelles im Spiel. Beim Fotografieren habe er einen objektiven, seltsam kühlen Blick, sagt er.

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